HAUPTSCHULE AM STOPPENBERG
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      Ein Jahr nach dem Amoklauf von Erfurt:
     
(Auszug aus der Schulzeitung Juli 2003)
     
 
 

 
Am 26. April 2002 versetzte ein 19-jähriger Schüler Erfurt und ganz Deutschland in einen Schockzustand. Er tötete 13 Lehrerinnen und Lehrer, eine Sekretärin, zwei Schüler, einen Polizisten und sich selbst. Fassungslos fragten damals viele: „Warum? Wie kann so etwas passieren? Bei uns?" Wenige Tage später, am 3. Mai 2002, lud Weihbischof Franz Grave die Vertreter aller Schülerinnen, Eltern und Lehrerinnen des Schulzentrums zu einem Gedenkgottesdienst für die Erfurter Opfer ein. In der Predigt kennzeichnete er das Geschehen als eine „Herausforderung, die Gesellschaft im Geiste Christi mitzugestalten" und stellte den Jugendlichen die Frage: „Was ist zu tun, damit 'Erfurt' nicht vergessen wird? Wie könnt Ihr die Haltung des Abschaltens nach dem Motto 'Ich habe genug von Erfurt' verhindern?" In einem Gespräch, das sich an diesen Gottesdienst anschloss, gab er den Impuls zu einem „Stoppenberger Manifest", in dem Grundsätze und Maßnahmen verankert werden sollten, die alle Mitglieder des Schulzentrums zu Wachsamkeit, Sensibilität und Aufmerksamkeit verpflichten sollte. „Mischt euch ein, wenn Resignation und Gewalt die Oberhand zu gewinnen drohen." Gut ein Jahr später. Am 25. Juli 2003 treffen sich wieder Vertreter der drei Schulgemeinden mit Weihbischof Grave in der Halle des Schulzentrums. Offiziell nehmen sie den „Stoppenberger Appell" als gemeinsamen Text und Handlungsauftrag in die Schulprogramme der drei Schulen auf; es ist dies das erste gemeinsame schriftliche Element der Schulprogramme.
Ein Jahr lang hatten Schülerinnen, Eltern und Lehrerinnen miteinander an diesem Appell gearbeitet, hatten nach Hinweisen fehlender Aufmerksamkeit für einzelne Schüler oder ganze Gruppen gesucht, fragten nach dem Vorhandensein und der Wirksamkeit von Beratungs- und Unterstützungseinrichtungen der drei Schulen, benannten schulische Alltagssituation, in denen Würde und Achtung des Einzelnen offenbar hinter Leistungsdenken zurückstehen mussten, sprachen über Maßnahmen und Aktivitäten, die aus einem Gegeneinander, einem „aber ohne euch" ein Miteinander im Schulzentrum werden lassen konnte, deckten unsichtbare aber spürbare Grenzen und Zäune am Stoppenberg auf. Der „Arbeitskreis religiöse Bildung" unserer Schule entwickelte schließlich eine Textvorlage, die dann in allen Mitwirkungsgremien der drei Schulen erörtert, weiter entwickelt und schließlich abgestimmt wurde.
Und die Schulgemeinden beließen es nicht beim Appell, sie handelten und fanden neue gemeinsame Aktivitäten: ein gemeinsames Spielfest und ein Nikolaus-Gottesdienst für die neuen Schülerinnen, ein Hallenfußballturnier für die l0er, gemeinsame Frühschichten in der Adventszeit, Ora et labora-Tage in der Woche vor den Osterferien, eine Romfahrt für Schülerinnen des Schulzentrums ... Übrigens: Direkt nach der Feierstunde beginnt die „School's-out-Party" aller drei Schulen!

Reiner Düchting, Lehrer
 
 

 

 
S T O P P E N B E R G E R   A P P E L L
 

 
 
 
Es macht uns nachdenklich und besorgt, dass immer wieder Kinder und Jugendliche an Arbeitsplätzen, in Familien und in Schulen zu Opfern und zu Tätern gewalttätiger Konflikte und Auseinandersetzungen werden. Daher appellieren wir an alle Mitglieder der Schulgemeinde des Schulzentrums Am Stoppenberg, frühzeitig, zuverlässig und nachhaltig Vorsorge für ein dauerhaft friedliches Zusammenleben innerhalb und außerhalb dieses Schulzentrums zu treffen.
 
 
 

 

 
 
 
1.
Schule ist mehr als Wissensvermittlung und Pauken, mehr als Abitur und Schulabschluss. Gerade im Alltag unserer Tagesheimschule wird deutlich, dass wir Menschen brauchen, die mit uns das Leben lernen, die mit uns Sehnsucht, Hoffnung und die Frage nach dem Sinn des Lebens teilen. Insbesondere wollen wir eine Erziehungspartnerschaft verwirklichen.

2. Kein Mitglied des Schulzentrums darf aufgrund seines Aussehens, seiner Herkunft, seiner Schulzugehörigkeit die Erfahrung machen, diskriminiert, in seiner persönlichen Würde herabgesetzt oder ausgegrenzt zu sein. Das gilt insbesondere innerhalb der einzelnen Klasse, innerhalb der Jahrgangs- und Schulstufe als auch für das Zusammenleben von Gymnasiasten, Real- und Hauptschülern auf dem gemeinsamen Schulgelände.

3. Die Schülerinnen finden im Schulalltag kurzfristig einen Ansprechpartner, mit dem sie aktuelle eigene Konflikte und Krisen (Leistungs-, Gruppen-, Familien- und andere Probleme) oder die von Mitschülerinnen in einer offenen und vertrauensvollen Atmosphäre besprechen können. Dazu entwickelt jede Schule zuverlässige Strukturen und bereitet geeignete Personen (Schulseelsorger, Schulpsychologe, Sozialarbeiter, Vertrauenslehrerin, Beratungslehrerin, Klassenlehrerin ...) Zeiten und Räume vor.

4. In die gemeinsame Arbeit am Schulzentrum Stoppenberg, in das Kennenlernen und in den Erfahrungsaustausch sollen auch die Eltern und die Lehrerinnen einbezogen werden.

5. Gemeinsame Aktivitäten aller drei Schulen tragen zum gegenseitigen Kennenlernen und zur gegenseitigen Achtung der Fähigkeiten, Stärken und Schwächen der einzelnen Person im Rahmen des Schulzentrums bei:

  • die Schulen öffnen sich für gemeinsame Aktivitäten in den Mittagspausen und in der Freizeit (gemeinsame Disco-, Freizeit- und Sportangebote, gemeinsame Musikangebote, gemeinsame Neigungsgruppen ...)
  • gemeinsame fachbezogene Projekte der drei Schulen werden intensiviert und ausgeweitet: z. B. das COM-Projekt. Besondere Bedeutungen kommt den Maßnahmen zu, die dem Zusammenwachsen der Schülerinnen aller fünften Schuljahre dienen (St. Martin, Nikolaus, Spielfest...)
  • die Schülerinnen können an speziellen Sportwettbewerben in einzelnen Stufen (Kickerturnier, gemischte Fußballturniere ...) teilnehmen
  • die Schulgemeinden gestalten gemeinsame Großveranstaltungen: School's-out-Party, Sportfest, Sommerfest, Solidaritätslauf...
  • für die speziellen Veranstaltungen der einzelnen Schulen des Schulzentrums (Theater, Musik, Ausstellungen, Basare ...) wird in den anderen Schulen intensiv geworben (Werbung in den Klassen, Pflegschaften und Kollegien ...)
  • die Schülerinnen des gesamten Schulzentrums können von gemeinsamen Angeboten im Rahmen der religiösen Orientierung (Frühschichten, Ora-et-labora-Tage, „Wallfahrt" der Klassen 6 zum Abschluss der Orientierungsstufe, religiöse Freizeit in den Ferien...) Gebrauch machen.

6. Dieser Appell wird durch die entsprechenden Mitwirkungsgremien der Schulen zum dauerhaften Bestandteil der Schulprogramme aller drei Schulen des Schulzentrums Am Stoppenberg.

7. Schul- und Klassenpflegschaften, Lehrerkonferenzen und Schülervertretungen, Schulkonferenzen und Schulleitungen setzen es sich zur Aufgabe, die Idee des Stoppenberger Appells wach zu halten und durch geeignete Maßnahmen zu unterstützen und zu erweitern.