|
|
| |
Artikel im
Ruhrwort, Kirchenzeitung des Bistums Essen,
Jahrgang 48, Nr. 10 vom 11. März 2006
Schüler mobilisieren ganzen Stadtteil
Stoppenberg: Jugendliche unterwegs für
Leukämiekranke/Aktion auch in Burgaltendorf
Es ist das Gefühl, helfen zu können, das die elfjährige
Chantal und ihre Mitschüler der Haupt- und Realschule am
Stoppenberg antreibt. Beide Schulen und ihre
Elternpflegschaften organisierten gemeinsam mit der
Deutschen Knochenmark-Spender-Datei (DKMS) am
vergangenen Donnerstag die Chance für Leukämiekranke,
durch eine Typisierungs- und Blutspende-Aktion passende
Zellen zu erhalten, die Leben retten. Der
Initiative am Stoppenberg gaben ein fünfjähriges
Mädchen, Eileen aus Bremen, sowie ein junger Mann, Mitte
20, aus Essen, ihr Gesicht. Während die Schüler im
Vorfeld der Aktion mit Eileens Porträt auf Flyern und
Plakaten warben, war der mittlerweile geheilte junge
Essener eingeladen, nach Redaktionsschluss dieser
Ausgabe Gast der Stoppenberger Typisierungsaktion zu
sein. „Jede Typisierung verursacht 50 Euro Kosten",
informierte Andrea Teufel, Elternpflegschaftsvorsitzende
der Stoppenberger Hauptschule, vorab über Kosten der
Aktion. „Wir rechnen mit 300 Spenderinnen und Spendern,
die ihren 50-Euro-Beitrag nicht selbst aufbringen
können." |
|
|

Zusammen warensie die besten
Stammzellen-Verkäuferinnen und -Verkäufer und erzielten
im Schnitt über 100 Euro pro Kopf:
Chantal Tolk (v. l. n. r.),Alexander
Gorny,
Philipp Berlingen (Realschule)
sowie Tobias Ziemer, Stefanie Parr, Tim Teufel
(Hauptschule).
Foto: uw |
Die hohen Kosten konnten die Stoppenberger Haupt- und
Realschüler jedoch nicht von ihrem Einsatz abhalten.
Lange vor dem vergangenen Donnerstag hatten sie
symbolische , „Stammzellen" aus farbigem Papier
ausgeschnitten und verkauft. Sie sprachen damit nicht
nur Freunde und Familien an, sie klapperten auch
Haustüren und Geschäfte in Stoppenberg ab.
„Null Bock" war kein Thema
Vom offenen und handlungswilligen Umgang der Schüler mit
dem Thema sind Andrea Teufel und Schulleiter Reiner
Düchting begeistert. „Was hier in den letzten Tagen
ablief, ist schon beeindruckend." Teufel erläutert,
manch ein Schüler, der sonst eher durch „null Bock" oder
Disziplinlosigkeit glänze, habe sich von der Idee, Leben
zu retten, spontan begeistern lassen.
Kontakte des Schulleiters in seiner Heimatpfarrei
führten außerdem dazu, dass eine Kooperation mit den
Pfadfindern und der KJG Herz Jesu, Essen-Burgaltendorf,
entstand. Die Burgaltendorfer organisierten sogar einen
Shuttle-Service zum Stoppenberg. Der KJG-Verantwortliche
Alexander Stüber berichtet von der Jugendaktion, die die
Burgaltendorfer auf die Beine stellten. |
|
|
|
„Wir haben festgestellt, dass viele Leiter von uns nicht
typisiert sind. Da waren wir dankbar, dass wir unsere eigene
Aktion an die große Typisierung am Stoppenberg koppeln konnten."
|
| |
Das Echo auf die Spenden- und Blutsammelaktion zog weite Kreise.
Andrea Teufel: „Das Engagement der Schüler hat ganze Stadtteile
angesteckt." Beeindruckt berichtet sie von einem Erstklässler
der benachbarten Stoppenberger Grundschule, der ihr seine ganze
Spardose übergab: „Für Eileen!" Auch nach dem Spenden-Donnerstag
soll die Geldsammlung weitergehen. Teufel: „Zum Oldie-Abend für
diesen Zweck erwarten wir am ersten April 1000 Gäste auf
Zollverein."
Kein Zweifel: In Burgaltendorf und am Stoppenberg sind die
Heranwachsenden für hilfsbedürftige Menschen in ihrer Umgebung
sensibilisiert. Schulleiter Düchting freut das: „Gerade jetzt in
der Fastenzeit ist es wichtig, konkrete Not zu erkennen.
Projekte vor der eigenen Haustür zählen dabei ebenso wie der
Einsatz für Menschen in Südamerika."
Ein Gewinn für das Leben
Düchting: „Wenn Jugendliche konkret etwas tun, dann werden ihnen
die Augen geöffnet." Das sei eine Erfahrung, die sie aus der
Schulzeit auch für ihr späteres Leben mitnehmen könnten. Leid
macht eben nicht nur vor der eigenen Haustür Halt.
Florian Bock |
 |
|