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Stoppenberger SchülerInnen auf dem Jakobsweg

 

 

 
Tagesbericht 10.04.2007
von O Cebreiro nach Triacastela

Aus dem Leben eines Pilgerstabs

Ja, da steht man also friedlich in der Auslage eines dieser unzähligen Pilgershops in Burgos und döst vor sich hin und dann kommt so´n deutscher Typ und meint man solle ihn ab sofort für läppische 4 Euro auf dem Weg nach Santiago begleiten.
Na gut, man ist halt Pilgerstab geworden und war ja irgendwie auf so etwas vorbereitet.
So geschehen also vor mehr als zwei Wochen und seit diesem Tag bin ich mit meinem neuen Besitzer unterwegs. Wundert mich ja schon etwas, da der Typ sonst eher etwas gegen Stöcke beim Laufen hat… ;-)
Was soll ich Euch also erzählen – der Typ scheucht mich jetzt schon 366 Kilometer an seiner Seite über flache Strecken, Berge rauf und auch wieder runter.
Ich hab´mich schon etwas an in gewöhnt und find´ ihn fast nett, da lässt der mich doch glatt gestern unter´m LKW liegen – hallo…geht´s wohl etwas freundlicher???
Und das alles nur weil plötzlich Regen aufkommt und der Herr meint, mich bei der ganzen Organisiererei mal einfach vergessen zu können – Unverschämtheit!
 

Zum Glück kam der Mensch meines Kollegen (ein nette Herr mit Theologiestudium) vorbei und hat uns beide in den trockenen LKW gestellt. Was soll ich Euch sagen – irgendwann geht die Trucktür auf und mein Mensch steht vor mir. Er hat mich angeblich gesucht und freut sich riesig mich wieder zu sehen…dann nimmt er mich mit und ich „darf“ die Nacht in einem nicht temperierten Zelt verbringen – na schönen Dank auch!!!
Heute geht´s dann wieder weiter. Mein Mensch hat wohl ein schlechtes Gewissen, er geht auf 21 Kilometern ganz sanft mit mir um. Nur leichte Hügel muss ich bewältigen, darf die schöne Aussicht über das galizische Bergland genießen und auch beim Abstieg nach Triacastela stützt mein Mensch sich nur mäßig auf mich.
Wir bewundern kurz vor dem Ziel der heutigen Etappe gemeinsam eine sehr schöne, alte, knorrige Kastanie, mein Mensch macht Fotos und dann – vergisst er mich fast am Zaun! Geschieht im Recht, dass er zurück wetzen darf um mich abzuholen!
Jetzt ist langsam Feierabend. Ich habe mit meinem Menschen und noch drei anderen Typen (ein Koch, ein Trucker und ein „Wanderprediger“
J ) ein nettes kleines Herbergszimmer und darf bis morgen entspannen.
Mal sehen was mein Typ morgen mit mir so vorhat….
bis dahin grüßt Euch „Der Pilgerstab“

 

 

 

 

Tagesbericht 11.04.2007
Es wird immer weniger Camino

Um 8:00 Uhr begann unser Tag. Wir wurden mit den üblichen netten und schon bekannten Worten geweckt. Dann die übliche Prozedur. Zähneputzen, frisch machen, Schlafsack und Tasche packen und sofort zum Frühstück.
Gerade beim Essen, bekam ich einen riesigen Schreck. Holger begann an zu schreien: „Sag mal habe ich eigentlich Urlaub im Allgäu gebucht?“
Und er hatte Recht. Schöne grüne Wiesen und ein kleiner Bach umgaben uns.
Dieses grüne Landschaftsbild verfolgte uns auch dann ein bisschen bei unserer heutigen Etappe. (Ich bin echt noch nie im Leben so oft in Kuhfladen getreten!)
Doch leider mussten wir, zum größten Teil der Etappe, an einer großen Straße entlang.
UND ES IST NICHT LUSTIG, WENN 40 TONNER AN EINEM VORBEI RASEN.

 

Auch das Wetter war uns nicht gut gesonnen. Es begleitete uns eine schwül feuchte Luft und ab und zu fing es auch leicht an zu Regnen. Highlight, der etwas feuchten Etappe, war das Kloster in Samos mit seinen zwei Kreuzgängen, von denen einer der Größte in ganz Spanien ist.
Unsere Unterkunft in Sarria bezogen wir direkt nach unserer Ankunft. Für unser leibliches Wohl sorgte dann am Abend Holger und dieses Mahl hatten wir uns auch verdient, denn mit der heutigen Etappe von 22 km absolvierten wir bis heute 388 km. Das sind 77% unseres gesamten Weges, laut unserem kleinem gelbem Mammut `Melanie`.
Und nun haben wir nur noch 115km vor uns und die machen wir auch noch platt.
Soweit haben wir es gebracht, so viel haben wir geschafft und jetzt hält uns nichts mehr auf. 
Das war’s mal wieder, bis zum nächsten Mal
Euer

Mario „Polly“ Polkehn