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Stoppenberger SchülerInnen auf dem Jakobsweg

 
Tagesbericht 08.04.2007
von Ponferrada nach Villafranca del Bierzo

AUS DEM LEBEN EINER BRÜLLMÜCKE *

Nach einer relativ kurzen Nacht in den Rucksäcken unserer Opfer krochen wir um 7:30 Uhr samt Pilgergruppe aus unseren „Betten“. Die nächsten zweieinhalb Stunden verbrachten wir damit, uns auf den kommenden Tag einzustimmen, während die Pilger ihre Koffer bzw. Rucksäcke packten, sich fertig machten und frühstückten. Nach dem Einladen des LKWs fingen wir langsam damit an, das kleine Grüppchen um Herrn Schumacher, einem der eifrigsten Brüllmückenforscher, zu ärgern. Heute stand uns Schumi besonders feindlich gegenüber und versuchte permanent auf uns einzuschlagen, was ihm aufgrund seiner langsamen Reflexe nicht wirklich gelang. So musste er sich die ganze landschaftlich schöne Strecke über uns ärgern, was uns natürlich noch mehr freute.

 
Es war natürlich auch ein Riesenspaß, Schumi die gesamten 24 Kilometer zu unmenschlichen Geräuschen zu zwingen.
Aber auch für eine Brüllmücke ist diese Strecke kein Zuckerschlecken und so kamen wir genau so erschöpft wie die Pilger in Villafranca an. Zu unserem Leidwesen war die geplante Unterkunft ein Saustall, sodass wir einige Zeit warten mussten, bis wir eine andere gefunden hatten. In dieser Zeit begann es natürlich fürchterlich zu regnen, sodass alle Beteiligten bis auf die Socken nass wurden. Schließlich besorgte das zuverlässige Truckteam eine Sporthalle, wo wir uns nach noch längerer Wartezeit (wegen eines örtlichen Fußballturniers) irgendwann endgültig einnisten konnten. Es soll heute wieder gutes Essen für die Pilger geben, ein Grund mehr, diverse Personen auf die Nerven zu gehen ;)

Lukas Klein und Thomas Blumberger

*Brüllmücken: kleine, freche Tiere, die laut Nachforschungen eines eifrigen Sozialarbeiters sich gern am flachen Wasser tummeln und besonders von (kohlensäurehaltigen) Getränken angelockt werden. Sie geben sich dadurch zu erkennen, dass ihre Opfer plötzlich unhöfliche Geräusche von sich geben.


Tagesbericht 09.04.2007
von Villafranca del Bierzo nach O Cebreiro

„Ein bisschen Chaos muss sein…“

Nachdem wir also den in den gestrigen Abendstunden erschienen Hausmeister der Sporthalle in Villafranca beruhigt hatten und ihm „sein“ Lieblingskind geputzt und aufgeräumt (ich glaub´der hatte ´nen ruhigen Tag weil wir so ordentlich geputzt haben) übergeben haben, kann es um 10.00 Uhr zu  unsere vermutlich schwerste Etappe losgehen.
Es gilt den Ort O Cebreiro, eine Spanisches Nationalheiligtum weil es hier ein Hostienwunder gegeben haben soll, auf 1300 Höhenmetern zu erreichen. Laut Wanderführer soll der Anstieg sehr beschwerlich sein – na da wollen wir doch mal sehen…
Zunächst mal ist eine entscheidenden Frage zu klären: Es bieten sich zwei Wege zum Ziel. Der erste führt zunächst an der Nationalstrasse entlang (die von der HaPe so eindrucksvoll seine Duelle mit spanischen Lastwagen beschreibt) oder eben über den Berg, der einen zusätzlichen steilen Anstieg auf 900m und einen ebenso steilen Abstieg verspricht. Diese als „camino duro“ bezeichnete Strecke soll nur von guten Läufern bewältigt werden…

 

 

Die Gruppe trennt sich also. Ein Teil läuft auf dem (dann doch gut abgesicherten) zunächst sanft steigend Gehweg, der andere Teil geht direkt in die Vollen und steigt 400 m steil in die Höhe. Eine dritte Truppe legt übrigens den Weg nach O Cebreiro wg. schmerzender Gelenke u.ä. mit dem Linienbus zurück.
Der „Berggruppe“ bietet sich nach dem schweißtreibenden Anstieg ein wunderschönes Panorama. Bei strahlendem Sonnenschein lässt sich das umliegende Bergland weit überblicken!
Nach dem wirklich steilen Abstieg nach Trabadelo machen wir uns auf die Verfolgung der „Straßengruppe“, denn ab jetzt laufen wieder alle den gleichen Weg. Und dieser Weg hat´s in sich!!! Nach endlosen Asphaltkilometern und stetig aber sanft steigenden Wegen zeigt ein Schild plötzlich nach links in ein grünes Tal – aber wir wollen doch hoch…??? Na ja, der Weg entspricht der Wanderkarte also wird´s wohl stimmen! Und nach einigen hundert Metern stehen wir dann doch vor dem Anstieg nach O Cebreiro. Die nächsten 8 Kilometer kann man kurz beschreiben: Regen am Anfang, Sonne ab dem zweiten Wegdrittel, unendlicher Verlust von Körpersäften in Form von Schweiß und ein geniales Panorama, das sich mit jedem Höhenmeter steigert…! Muss das denn alles sein? – Es muss und obwohl sich der ein oder andere laut fluchend wünscht der Camino wäre in Holland und dementsprechend flach, wird der Berg von allen bezwungen!

Unendliche Jubelszenen spielen sich auf dem Gipfel ab! Alle Ankommenden werden euphorisch gefeiert und wir liegen uns freudestrahlend in den Armen!
Hier oben wollen wir auch die Nacht verbringen und der Mühen soll genug sein!
Tja, und jetzt kommt das mit dem Chaos:
Wie wir bereits vom Truckteam wissen, ist die Herberge zur Zeit eine Baustelle und besteht aus provisorischen Containern mit zu wenig Plätzen. Für einen Teil der Gruppe ist also zelten angesagt. Kein Problem – wenn nur mal wer gen Himmel geguckt hätte… Erst mal LKW leer räumen um an die Zelte zu gelangen und dann euphorisch die Zelte aufbauen (wollen) - ab dem Moment pläddert´s auf uns herab. Also ein paar Zelte im Regen aufbauen, in Windeseile das Gepäck wieder in den Truck, zeitgleich Holgers Rock´n Roll Küche in Betrieb nehmen und Futter zubereiten – jetzt ist aber gut! Mittlerweile ist´s weit nach 20.00 Uhr und irgendwie läuft´s nicht rund…
Na ja, etwas holprig retten wir dann doch den Abend und alle liegen gegen 23.00 Uhr in ihren Schlafsäcken (egal ob im Zelt oder in der Herberge).
Fazit: Ein toller aber seeeeehr anstrengender Wandertag, der trotz kurzer Chaosphase für alle glücklich schlummernd endet. Und was das Wichtigste ist: wir haben die schwerste Etappe unserer Reise alle wohlbehalten absolviert und sind ohne Ende stolz auf jeden unserer „Superpilger“!!!
Und sowieso: wir haben Abenteuer versprochen und heute haben wir es definitiv gehabt!

Markus Schumacher