HAUPTSCHULE AM STOPPENBERG
   TAGESHEIMSCHULE DES BISTUMS ESSEN

 
  
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C O M - Haus der Stille und Begegnung
 

Der folgende Artikel ist dem Informationsblatt "Kontexte"
der Schulabteilung des Bistums entnommen / Autor: R. Düchting

 

 


 

COM – Haus der Stille auf dem Gelände des Schulzentrums Am Stoppenberg

Eine ungewöhnliche Versammlung war es, die da am 17. Mai 2002 im Schulzentrum Am Stoppenberg zusammentrat: 21 Personen - unter ihnen Weihbischof Franz Grave, der Essener Arbeitsamtsdirektor Hans Gerhard Dohle, Herr    Jäger als Vertreter des Landesarbeitsamtes Düsseldorf, Dirk Grünewald, Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Essen und Mülheim, Dr. Just Gérard, Diözesanbaumeister des Bistums Essen, Dr. Herbert Fendrich als Bischöflicher Beauftragter für Kirche und Kunst, OStD Manfred Nicht, er ist Leiter des Dezernats Erziehung, Schule und Hochschule im Bistum Essen, Dipl.-Ing.  Karl-Heinz Bässler, Leiter des Ausbildungszentrums der Bauindustrie, OstD Norbert Wintjes, stellvertretender Leiter des Berufskollegs Essen-Ost,  Pfarrer Martin Cudak, Schulseelsorger des Schulzentrums, Eltern und Schüler als Vertreter der Mitwirkungsgremien und die Leiter der drei Schulen des Schulzentrums.

Welche gemeinsamen Interessen brachte diese Vertreter aus Bistumsleitung, Arbeitsverwaltung, Industrie und Handwerk, Seelsorge und Schule zusammen? Um die Antwort auf diese Frage richtig einordnen zu können, muss man zunächst um mehr als drei Jahrzehnte zurückblicken:

Als im Jahre 1966 das Gymnasium als erste der drei Schulen des Schulzentrums Am Stoppenberg auf einem Gelände der benachbarten Zeche Zollverein gegründet wurde, fanden sich unter den geplanten Klassen-, Fach- und Freizeiträumen weder eine Kapelle noch ein Meditationsraum. In den Folgejahren, bei Gründung und Bau von Real- und Hauptschule bis zum Jahre 1975, wurde mehrfach eine solche Idee diskutiert; doch da die benachbarten Kirchen St. Nikolaus, St. Anno und die Stiftskirche auf dem Kapitelberg die Schulgemeinde für Schul- und Festgottesdienste immer wieder gerne aufnahmen, schien es zunächst dringendere Erfordernisse zu geben. Und die offene Konstruktion der zentralen Halle des Schulzentrums, bestimmt zur Nutzung durch alle drei Schulen, bot weitere Möglichkeiten - auch für Gottesdienste in Gruppen unterschiedlicher Größe.

 
Doch in den Kollegien und Mitwirkungsgremien gab es weiterhin Ansätze, Initiativen und die Hoffnung, einen Ort zu finden oder zu schaffen, der im Schul- und Unterrichtsalltag dieser katholischen Tagesheimschule direkt für die einzelnen Klassen und Gruppen der ca. 1.800 SchülerInnen erreichbar wäre und jederzeit Raum und Gelegenheit zu Meditation und Gespräch, zu Andacht und Gottesdienst bieten könnte. Es sollte, so die Visionen, ein Raum sein, dessen Aussehen und Funktion nicht durch andere (Unterrichts- oder Freizeit-) Zwecke geprägt oder bestimmt würde, quasi ein Fachraum des gesamten Schulzentrums für Ruhe, Andacht, Gebet und Meditation. Doch die Gegenargumente nahmen im Laufe der Zeit eher zu als ab: sinkende Kirchensteuereinnahmen, Sparzwänge, dringend erforderliche Neubau- und Unterhaltungsinvestitionen am Schulgebäude, Essener Kirchen, denen der Leerstand drohte ...

Die Verknüpfung verschiedener Ideen-Stränge, die im Laufe der Zeit an unterschiedlichen Punkten des Schulzentrums zusammen liefen, ließ dann jedoch ein zugkräftiges Seil entstehen, an dem diese Idee neu festgemacht werden konnte: der „Essener Konsens“, das Schulprogramm der Hauptschule, das Prinzip des „anschaulichen“ und „praktischen Lernens“, die Einrichtung der Stelle eines Schulseelsorgers für das gesamte Schulzentrum und besonders die guten Kooperationserfahrungen mit außerschulischen Einrichtungen, Verbänden, Industrie- und Handwerksunternehmen.

Was wäre, so wurde also nun gefragt, wenn nicht der Schulträger sondern die drei Schulgemeinden gemeinsam die Verantwortung für Planung und Realisierung „ihres“ Gebäudes übernehmen würden? Wären die Schüler in einem langfristigen Prozess zu gewinnen, in diesem Projekt eine Realisierung ihrer eigenen Wünsche und Ideen zu sehen?  Könnten die vielen Teilaufgaben eines solchen Bauprozesses in die Curricula einzelner Fächer (Kunst, Technik, Handwerksunterricht, Textilgestaltung ...)  integriert werden, fächerübergreifendes Lernen fördern und der Idee des „anschaulichen Lernens“ konkrete Motivation geben? Könnten Unternehmen aus Industrie und Handwerk im Rahmen dieses Projekts ihre Interessen an der Ausbildung und der Nachwuchswerbung für einzelne Berufe und für die allgemeinen Anliegen der Ausbildung praktisch, vielleicht sogar in exemplarischer Weise umsetzen? Würde dieses Projekt schließlich dem Arbeitsamt Wege öffnen, die verschiedenen Partner aus Schule, Ausbildung und Arbeit an einen Tisch zu bringen und so letztlich den künftigen Auszubildenden eine erfolgreiche Berufswahl und einen Weg in die Arbeitswelt ermöglichen?

Insbesondere das Essener Arbeitsamt wurde zum Motor bei der positiven Beantwortung dieser Fragen. Kein Wunder, wenn man bedenkt, welche Erfahrungen hier bereits vorliegen und dass es sich bei diesem Arbeitsamt und seinem Direktor um eine der innovativsten und mit Preisen ausgezeichneten Einrichtungen (u.a. Heinrich-Brauns-Preis, Regina-Hildebrandt-Preis) in Deutschland handelt. Denn bereits mit dem „Essener Konsens“ hat Hans Gerhard Dohle im Verbund mit Handwerk, Industrie, Handel, Kirchen, Behörden, Parteien und Verbänden nachgewiesen, dass und wie es möglich ist, aus brach liegenden wirtschaftlichen Ressourcen mit Arbeit suchenden Menschen neue Werte mit vorhandenen speziellen öffentlichen Mitteln zu schaffen.

So wurde im Jahre 2001 in den drei Schulen ein Wettbewerb ausgeschrieben, in dem die ca. 1.800 SchülerInnen Funktion und Namen des Gebäudes bestimmen konnten. Und seitdem tragen das Projekt und das Haus den Namen „COM“, was an „Kommunikation“, „Kommunion“, „common sense“ oder einfach an den einladenden Imperativ „Komm!“ erinnert.

Im zweiten Schritt lobten die drei Fördergemeinschaften ein Preisgeld von € 750 für den Entwurf des besten Modells für ein solches Gebäude aus. Der Ausschreibung dieses Wettbewerbs gingen bereits Expertenkenntnisse und -unterstützungen voraus; denn eine Bau-Voranfrage bei der Stadt Essen und die fachliche Formulierung der Ausschreibung stammen aus der Feder der Bauabteilung des Bistums Essen.

Im Kunstunterricht der Schulen entwickelten Schülerinnen und Schüler Modelle mit den dazugehörigen Skizzen und Zeichnungen, über die dann die eingangs genannte Jury zu entscheiden hatte. Keine leichte Übung, denn vor den Mitgliedern dieses Preisgerichts standen 16 Entwürfe als Gebäudemodell im Maßstab 1:50 mit Erläuterungsberichten, Zeichnungen und ergänzenden Hinweisen, und die Wettbewerbsbedingungen legten fest, dass diese Jury drei der eingereichten Entwürfe mit insgesamt € 750,- prämieren sollte - und das mit dem ersten Preis ausgezeichnete Modell würde schließlich Grundlage für die weitere Planung sein.

Die Mitglieder wählten Weihbischof Grave zum Vorsitzenden der Jury, und als er dem Schulseelsorger Pfarrer Cudak das Wort erteilte, konnte dieser mit einer Überraschung aufwarten: Er schlug ein Messbuch auf, das seit vielen Jahren in der Sakristei neben der Halle im Gymnasium liegt und für den Schulgottesdienst  benutzt wird. Von der ersten Seite las er die Widmung vor, die Kardinal Hengsbach dort 1975 dort handschriftlich hinterlassen hatte - s.a. Startseite

Nun, nach 27 Jahren, kommen die drei Schulgemeinden des Schulzentrums der Absicht von Kardinal Hengsbach näher; denn das im Schulzentrum gemeinsam geplante und mit Unterstützung des Arbeitsamtes, von Industrie und Handwerk zu errichtende Haus der Stille nimmt nun klare Konturen an: Die eingereichten Entwürfen zeigen einer wie der andere ein hohes Maß an Kreativität, und eine klassische Kapellenform findet sich kaum unter den Entwürfen der Schüler. Nachdem im Ausschlussverfahren schließlich vier Beiträge als „Spitzenkandidaten“ übrig bleiben und Herr Nicht einen Sonderpreis stiftet, bleibt „nur“ noch die Reihenfolge fest zu legen; denn der erste Entwurf soll ja Grundlage für die Planung und Bauausführung werden. Die Entscheidung für den 1. mit € 300.- prämierten Preis fällt schließlich auf die Nr. 5, Kennziffer 16 15 82 des Kurses 8 m/k der Realschule. Die Jury begründete ihre Entscheidung mit dem besonders hohen Maß an Kreativität, die in der Idee, der Ausführung und in den bereits vorliegenden umfangreichen Entwürfen zur Gestaltung von Böden, Wänden und Decken der Siegergruppe zum Ausdruck kamen. Weihbischof Grave bedankte sich als Vorsitzender der Jury in einem persönlichen Brief bei allen Teilnehmern für die eingereichten Modelle und das Engagement, das in den Arbeiten zu erkennen ist.

Inzwischen haben alle Beteiligten weiter gearbeitet:

Eine Lenkungsgruppe, in der Vertreter aller Jury-Gruppen (Arbeitsamt, IHK, Kreishandwerkerschaft, Bau- und Schulabteilung des Bistums, LehrerInnen und Schulleitungen des Schulzentrums, Berufskolleg Ost)  mitarbeiten, koordinieren  die nächsten Arbeitsschritte und suchen nach Möglichkeiten, ihre je eignen Beiträge und Interessen in das Projekt einzubringen.

In jeder der drei Schulen ist ein/e Lehrer/in für das Projekt verantwortlich und sorgt hier dafür, dass die erforderlichen Planungen und Arbeiten zwischen den drei Schulen abgestimmt und durch einzelne Schülergruppen geleistet bzw. begleitet werden.

Das Berufskolleg Ost hat mit Schülern, die sich auf den Beruf des Vermessungstechnikers vorbereiten, den zukünftigen Bauplatz vermessen, so dass nun die Menge des Abraums und die genaue Baufläche berechnet werden kann und so die erforderlichen Planungen für die Vorbereitung des Baugeländes beginnen können.

In Kürze werden in Abstimmung mit dem Ausbildungszentrum der Bauindustrie Bodenproben am zukünftigen Baugelände vorgenommen, parallel wird auf der Grundlage des prämierten Modells an der Entwicklung des Bauplans gearbeitet.