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Doch in den Kollegien und
Mitwirkungsgremien gab es weiterhin Ansätze, Initiativen und die
Hoffnung, einen Ort zu finden oder zu schaffen, der im Schul-
und Unterrichtsalltag dieser katholischen Tagesheimschule direkt
für die einzelnen Klassen und Gruppen der ca. 1.800 SchülerInnen
erreichbar wäre und jederzeit Raum und Gelegenheit zu Meditation
und Gespräch, zu Andacht und Gottesdienst bieten könnte. Es
sollte, so die Visionen, ein Raum sein, dessen Aussehen und
Funktion nicht durch andere (Unterrichts- oder Freizeit-) Zwecke
geprägt oder bestimmt würde, quasi ein Fachraum des gesamten
Schulzentrums für Ruhe, Andacht, Gebet und Meditation. Doch die
Gegenargumente nahmen im Laufe der Zeit eher zu als ab: sinkende
Kirchensteuereinnahmen, Sparzwänge, dringend erforderliche
Neubau- und Unterhaltungsinvestitionen am Schulgebäude, Essener
Kirchen, denen der Leerstand drohte ...
Die Verknüpfung
verschiedener Ideen-Stränge, die im Laufe der Zeit an
unterschiedlichen Punkten des Schulzentrums zusammen liefen,
ließ dann jedoch ein zugkräftiges Seil entstehen, an dem diese
Idee neu festgemacht werden konnte: der „Essener Konsens“, das
Schulprogramm der Hauptschule, das Prinzip des „anschaulichen“
und „praktischen Lernens“, die Einrichtung der Stelle eines
Schulseelsorgers für das gesamte Schulzentrum und besonders die
guten Kooperationserfahrungen mit außerschulischen
Einrichtungen, Verbänden, Industrie- und Handwerksunternehmen.
Was wäre, so wurde also nun
gefragt, wenn nicht der Schulträger sondern die drei
Schulgemeinden gemeinsam die Verantwortung für Planung und
Realisierung „ihres“ Gebäudes übernehmen würden? Wären die
Schüler in einem langfristigen Prozess zu gewinnen, in diesem
Projekt eine Realisierung ihrer eigenen Wünsche und Ideen zu
sehen? Könnten die vielen Teilaufgaben eines solchen
Bauprozesses in die Curricula einzelner Fächer (Kunst, Technik,
Handwerksunterricht, Textilgestaltung ...) integriert werden,
fächerübergreifendes Lernen fördern und der Idee des
„anschaulichen Lernens“ konkrete Motivation geben? Könnten
Unternehmen aus Industrie und Handwerk im Rahmen dieses Projekts
ihre Interessen an der Ausbildung und der Nachwuchswerbung für
einzelne Berufe und für die allgemeinen Anliegen der Ausbildung
praktisch, vielleicht sogar in exemplarischer Weise umsetzen?
Würde dieses Projekt schließlich dem Arbeitsamt Wege öffnen, die
verschiedenen Partner aus Schule, Ausbildung und Arbeit an einen
Tisch zu bringen und so letztlich den künftigen Auszubildenden
eine erfolgreiche Berufswahl und einen Weg in die Arbeitswelt
ermöglichen?
Insbesondere das Essener
Arbeitsamt wurde zum Motor bei der positiven Beantwortung dieser
Fragen. Kein Wunder, wenn man bedenkt, welche Erfahrungen hier
bereits vorliegen und dass es sich bei diesem Arbeitsamt und
seinem Direktor um eine der innovativsten und mit Preisen
ausgezeichneten Einrichtungen (u.a. Heinrich-Brauns-Preis,
Regina-Hildebrandt-Preis) in Deutschland handelt. Denn bereits
mit dem „Essener Konsens“ hat Hans Gerhard Dohle im Verbund mit
Handwerk, Industrie, Handel, Kirchen, Behörden, Parteien und
Verbänden nachgewiesen, dass und wie es möglich ist, aus brach
liegenden wirtschaftlichen Ressourcen mit Arbeit suchenden
Menschen neue Werte mit vorhandenen speziellen öffentlichen
Mitteln zu schaffen.
So wurde im Jahre 2001 in
den drei Schulen ein Wettbewerb ausgeschrieben, in dem die ca.
1.800 SchülerInnen Funktion und Namen des Gebäudes bestimmen
konnten. Und seitdem tragen das Projekt und das Haus den Namen „COM“,
was an „Kommunikation“, „Kommunion“, „common sense“ oder einfach
an den einladenden Imperativ „Komm!“ erinnert.
Im zweiten Schritt lobten
die drei Fördergemeinschaften ein Preisgeld von € 750 für den
Entwurf des besten Modells für ein solches Gebäude aus. Der
Ausschreibung dieses Wettbewerbs gingen bereits
Expertenkenntnisse und -unterstützungen voraus; denn eine
Bau-Voranfrage bei der Stadt Essen und die fachliche
Formulierung der Ausschreibung stammen aus der Feder der
Bauabteilung des Bistums Essen.
Im
Kunstunterricht der Schulen entwickelten Schülerinnen und
Schüler Modelle mit den dazugehörigen Skizzen und Zeichnungen,
über die dann die eingangs genannte Jury zu entscheiden hatte.
Keine leichte Übung, denn vor den Mitgliedern dieses
Preisgerichts standen 16 Entwürfe als Gebäudemodell im Maßstab
1:50 mit Erläuterungsberichten, Zeichnungen und ergänzenden
Hinweisen, und die Wettbewerbsbedingungen legten fest, dass
diese Jury drei der eingereichten Entwürfe mit insgesamt € 750,-
prämieren sollte - und das mit dem ersten Preis ausgezeichnete
Modell würde schließlich Grundlage für die weitere Planung sein.
Die Mitglieder
wählten Weihbischof Grave zum Vorsitzenden der Jury, und als er
dem Schulseelsorger Pfarrer Cudak das Wort erteilte, konnte
dieser mit einer Überraschung aufwarten: Er schlug ein Messbuch
auf, das seit vielen Jahren in der Sakristei neben der Halle im
Gymnasium liegt und für den Schulgottesdienst benutzt wird. Von
der ersten Seite las er die Widmung vor, die Kardinal Hengsbach
dort 1975 dort handschriftlich hinterlassen hatte - s.a.
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Nun, nach 27 Jahren, kommen
die drei Schulgemeinden des Schulzentrums der Absicht von
Kardinal Hengsbach näher; denn das im Schulzentrum gemeinsam
geplante und mit Unterstützung des Arbeitsamtes, von Industrie
und Handwerk zu errichtende Haus der Stille nimmt nun klare
Konturen an: Die eingereichten Entwürfen zeigen einer wie der
andere ein hohes Maß an Kreativität, und eine klassische
Kapellenform findet sich kaum unter den Entwürfen der Schüler.
Nachdem im Ausschlussverfahren schließlich vier Beiträge als
„Spitzenkandidaten“ übrig bleiben und Herr Nicht einen
Sonderpreis stiftet, bleibt „nur“ noch die Reihenfolge fest zu
legen; denn der erste Entwurf soll ja Grundlage für die Planung
und Bauausführung werden. Die Entscheidung für den 1. mit €
300.- prämierten Preis fällt schließlich auf die Nr. 5,
Kennziffer 16 15 82 des Kurses 8 m/k der Realschule. Die Jury
begründete ihre Entscheidung mit dem besonders hohen Maß an
Kreativität, die in der Idee, der Ausführung und in den bereits
vorliegenden umfangreichen Entwürfen zur Gestaltung von Böden,
Wänden und Decken der Siegergruppe zum Ausdruck kamen.
Weihbischof Grave bedankte sich als Vorsitzender der Jury in
einem persönlichen Brief bei allen Teilnehmern für die
eingereichten Modelle und das Engagement, das in den Arbeiten zu
erkennen ist.
Inzwischen haben alle
Beteiligten weiter gearbeitet:
Eine Lenkungsgruppe, in der
Vertreter aller Jury-Gruppen (Arbeitsamt, IHK,
Kreishandwerkerschaft, Bau- und Schulabteilung des Bistums,
LehrerInnen und Schulleitungen des Schulzentrums, Berufskolleg
Ost) mitarbeiten, koordinieren die nächsten Arbeitsschritte
und suchen nach Möglichkeiten, ihre je eignen Beiträge und
Interessen in das Projekt einzubringen.
In jeder der drei Schulen
ist ein/e Lehrer/in für das Projekt verantwortlich und sorgt
hier dafür, dass die erforderlichen Planungen und Arbeiten
zwischen den drei Schulen abgestimmt und durch einzelne
Schülergruppen geleistet bzw. begleitet werden.
Das Berufskolleg Ost hat mit
Schülern, die sich auf den Beruf des Vermessungstechnikers
vorbereiten, den zukünftigen Bauplatz vermessen, so dass nun die
Menge des Abraums und die genaue Baufläche berechnet werden kann
und so die erforderlichen Planungen für die Vorbereitung des
Baugeländes beginnen können.
In Kürze werden in
Abstimmung mit dem Ausbildungszentrum der Bauindustrie
Bodenproben am zukünftigen Baugelände vorgenommen, parallel wird auf der
Grundlage des prämierten Modells an der Entwicklung des Bauplans
gearbeitet. |