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Straßenkinder-Projekt in
El Salvador
Eine - Welt - Projekt 2006
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Im
Jahr 2005 wurden auf mehreren Schülervollversammlungen unseren
SchülerInnen verschiedene mögliche Projekte für das
Eine-Welt-Projekt 2006 vorgestellt. Entschieden haben sie sich
für das "Straßenkinderprojekt" in El Salvador, dass von Adveniat
ebenfalls unterstützt wird. Schulpflegschaft/-konferenz und die
Lehrerkonferenz haben sich dem Votum der SchülerInnen
angeschlossen.
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Start des
Projektes: Aschermittwoch -
Mittagessen bei Wasser und Brot
Das eingesparte Geld (ca. 800 €) ist der Anfang ...

Höhepunkt wird der Bazar sein - in der Hoffnung, dass
viele Besucher kommen, die das Projekt tat- und
geldkräftig unterstützen!
Im Verlauf der Wochen bis zum Bazar am 01.04.2006
beschäftigen
sich die Klassen im Unterricht mit dem
Thema "Straßenkinder - Majas" in El Salvador. |
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Das
Leben kann kurz sein in San Salvador - vor allem, wenn man in
den Elendsvierteln der mittelamerikanischen Metropole aufwächst.
Tausende von Kindern und Jugendlichen kämpfen dort ums
Überleben. Sie betteln, verkaufen ihre Körper oder halten sich
mit kleineren Diebstählen über Wasser. Auf der Suche nach Halt
und Anerkennung rotten sie sich zu Gangs, den so genannten „Maras"
zusammen.
Jedoch ist der Schutz der „Maras" trügerisch. Einerseits kämpfen
sie gegeneinander um die Vorherrschaft in den Vierteln,
andererseits werden sie nachts von der Polizei mit Knüppeln und
Gewehren gejagt.
„Die Jugend in unserem Land braucht Schulen und keine
Gefängnisse", fordert Weihbischof Gregorio
Rosa Chávez aus San Salvador. Menschen wie ihm ist es zu
verdanken, dass illegale Festnahmen, Folterungen und Missstände
in den Gefängnissen überhaupt ans Tageslicht kommen.
Seit 18 Jahren hilft er Jugendlichen beim Wiedereinstieg in die
Gesellschaft. Im Pfarr- und Jugendzentrum der Gemeinde finden
sie das, was ihnen die Straße verwehrt hat: Schutz, Geborgenheit
und ein Stück unbekümmerter Jugend. |
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Statistische Daten zu
El Salvador
Größe: 21.041 km2 (Dtschld.:357.022
km2)
Einwohnerzahl: 6,06 Mio. (D.: 82 Mio.)
Die Hauptstadt heißt San Salvador, Einwohnerzahl: 480.000.
Landessprache: spanisch.
Religion: 93% Katholiken, 7% Sonstige
Staatsform: Seit 1983 Präsidiale Republik, Regierungschef seit
1999: Francisco Flores
Kindersterblichkeit: 3,2% (D: 0,5%)
Einwohner pro Arzt: 1563
(D: 298)
Währung: 1 El-Salvador-Colon (C) |
| Stabiles Wirtschaftswachstum, das durch den
Hurrikan "Mitch"(1998) unwesentlich beeinträchtigt wurde, aber
weiterhin hohe Armut, Massenarbeitslosigkeit und Kriminalität
prägen die Entwicklung in El Salvador. Fast 50% der
arbeitsfähigen Bevölkerung sind arbeitslos oder
unterbeschäftigt. So betrug das Bruttosozialprodukt pro Kopf im
Jahr 1997 nur ca. 3.500 DM (Dtschld. 56.000 DM) |
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Nur wer tötet, gehört dazu
Zahlreiche Jugendliche in San Salvador sind in Jugendbanden
organisiert
Es
gibt Gewalt, viel zuviel Gewalt. Aber für uns ist das schon mehr
zu einer alltäglichen Routine geworden. Wenn man einmal daran
gewöhnt ist, fühlt man sich deshalb nicht mehr schlecht. Nur am
Anfang bekommt man ein bisschen Angst und vielleicht, wenn man
zuviel Drogen genommen hat ", sagt Jose Enrique. Der Junge hockt
auf einem kleinen, staubigen Platz im Barrio Paraiso am
Stadtrand von San Salvador. Sein braungebrannter Oberkörper ist
über und über mit Totenköpfen, Rosen und allerlei Sprüchen
tätowiert. Um ihn herum sitzt ein Dutzend junger Männer in
weiten Hosen - ebenfalls tätowiert. Jose ist der Wortführer der
kleinen Gruppe - einer Unterabteilung der Mara Salvatrucha,
einer der berüchtigsten Jugendgangs in El Salvadors Hauptstadt.
„Ich lebe von der Straße, raube Leute aus, alles was man machen
kann, um an Geld zu kommen und zu überleben. Denn ich bin
Familienvater. Ich habe zwei Kinder, eine Frau", erzählt Jose
Enrique weiter. Seine Frau arbeite zwar, doch er selbst müsse
eben stehlen, um an Geld zu kommen. „Wo sollte es sonst
herkommen? Wenn ich um Arbeit bitten würde, würden sie mir als
erstes sagen, schau Dich doch an, was mit Dir los ist. Das ginge
nicht. Ich muss es so machen."
Jose Enrique ist kein Einzelfall. Zahlreiche Jugendliche in
e! Salvador gehen
weder zur Schule noch haben sie Arbeit. Schätzungen zufolge sind
etwa 30.000 Jugendliche in Banden organisiert. Die bunten Bilder
aus nordamerikanischen Serien, die täglich über den
Fernsehschirm flimmern, führen ihnen
den Kontrast zwischen eigener Armut und der Welt des Konsums
besonders drastisch vor Augen. |

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Sozialen Kontakt, Anerkennung und Erfolg suchen viele
Jugendliche in den pandillas, den Jugendbanden, in El
Salvador „maras" genannt. Auch hier ist die Gewalt
allgegenwärtig. Einen Mord auszuführen oder - für Mädchen - sich
von den übrigen Bandenmitgliedern vergewaltigen zu lassen, sind
die Aufnahmekriterien. Den Anweisungen des Bandenführers haben
alle zu folgen. Drogenhandel und Raub gehören zum
Alltagsgeschäft. Hinzu kommt eine erbitterte Feindschaft
zwischen den Anhängern verschiedener Maras. 70 Prozent der
Bandenmitglieder haben nach eigenen Angaben die Ermordung naher
Freunde oder Familienmitglieder erlebt. Es ist ein andauernder
Teufelskreis zwischen Armut, Gewalt und Perspektivlosigkeit.
Jose Enrique klagt dafür die Politiker an: „Alles, was hier in
diesem Land passiert, ist nicht die Schuld der Leute, sondern
der Regierung. Unsere Regierungen haben sich noch nie darum
gekümmert, ob es den Leuten gut geht." Arbeit gibt es für die
Jugendlichen aus den armen Stadtteilen nicht, soziale
Einrichtungen, Spiel- oder Sportplätze ebenso wenig. Zerrüttete
Familien und fehlender sozialer Halt treiben viele zu den Maras.
Überdies ist das Bandenwesen in El Salvador eng mit der
verschärften Immigrationspolitik der USA verknüpft.
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Viele junge Salvadorenos, in den Kriegsjahren nach Nordamerika
emigriert, werden inzwischen schon wegen kleinerer Delikte
zurück in ihre Heimat deportiert - egal, wie lange sie in den
Staaten gelebt haben. Die Bandenkultur bringen sie von dort mit.
In Kalifornien haben diese Gruppen eine lange Tradition. Die
ersten hispanischen Einwanderer zwischen 1910 und 1925 trafen
auf starke Ablehnung und Diskriminierung durch die
nordamerikanische Gesellschaft. Als Reaktion darauf schlossen
sie sich in den „maras" zusammen - vor allem in der Mara
Salvatrucha, der von Salvadorenos dominierten Gruppe, und in der
Mara 18, mehr international besetzt und benannt nach einer
Straße in Los Angeles. Beide Banden führen seither einen
regelrechten Krieg - der sich heutzutage in San Salvador
fortsetzt. Jugendrichterin Mirna Antonieta Perla de Jimenez
kennt die Probleme. Und sie erinnert sich an einen besonders
tragischen Fall - an Marvin Vladimir Munoz, „El Extrano", der
Fremde, genannt. Der damals 24jährige und Vater eines Sohnes
wurde 1994 zwangsweise aus den USA zurück nach El Salvador
deportiert. In Los Angeles war er Chef der berüchtigten Gang
Mara Salvatrucha und bereits wegen zahlreicher Delikte
verurteilt worden. „Aber als er hier ins Land kam, sagte er, ich
möchte meinem Land helfen, ich möchte, dass mein Land nicht in
dieses große Chaos verfällt, wie es auf den Straßen von Los
Angeles herrschte, durch unsere Aktionen", erinnert sich
Richterin Jimenez. „Er bat die Behörden darum, ihm eine Arbeit
zu geben, doch sie gaben ihm keine Arbeit. Und sie zweifelten
auch seine ehrlichen Aussagen an, die er vor den Kindern in der
Schule, den Jugendlichen in den Stadtvierteln machte, um sie
davon abzuhalten, sich einer Bande anzuschließen."
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Marvins Bemühen, vorbeugende Arbeit zu leisten, ging ins Leere.
Als Richterin Jimenez bei den Medien um Hilfe bat, damit er
durch seine Geschichte andere Jugendliche davon abhalten könnte,
sich einer Bande anzuschließen, winkte die Presse ab. Jimenez:
„Erst von seinem Rückfall in die Kriminalität berichteten die
Zeitungen wieder." Sie schrieben, er hätte auf Arbeits- und
Hilfsangebote der staatlichen Stellen nicht reagiert. Richterin
Jimenez sagt etwas anderes: „Da gab es eine Versammlung, die wir
mit verschiedenen Autoritäten organisiert hatte - darunter auch
die Direktorin des Institutes zum Schutz der Minderjährigen, um
Marvin zu helfen. Und sie beschlossen, ihm die Möglichkeit für
seine Vorbeuge-Arbeit zu geben. Doch als wir wiederkamen, um
alles fest zu machen, hieß es plötzlich, alles sei ein Irrtum
gewesen." Marvin empfand das als Beleidigung und wollte von den
Behörden nichts mehr wissen. Er zog sich auch von Richterin
Jimenez zurück und ging wieder dazu über, Leute auszurauben.
Kurz darauf landete er erneut im Gefängnis. Wenig später wurde
er dort ermordet. Von wem, blieb bis heute ungeklärt.
Immer und überall werden die Jugendlichen aus dem sozial
benachteiligten Milieu in El Salvador diskriminiert, weiß die
Jugendrichterin. Eine Chance, normal zu leben, erhalten sie
kaum. Jimenez: „Ich bin schon selbst herumgelaufen, um nach
einem Stadion, einem Spielplatz für die Jugendlichen zu suchen.
Doch wenn dann solche Plätze in den Stadtteilen sind, wo sich,
sagen wir mal, die Mittelklasse befindet, dann schlägt den
jungen Leuten, die da Basketball spielen wollen, eine
unwahrscheinlich große Ablehnung entgegen."
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Nicht selten führt dieser Mangel an Chancen in die Kriminalität.
Habilez Ernesto Evers ist 23 Jahre alt und wurde vor vier
Monaten aus den USA ausgewiesen - wegen Trunkenheit in der
Öffentlichkeit. Vorübergehend wohnt er jetzt in einem
christlichen Heim in San Salvador. Lange kann er dort nicht mehr
bleiben, die Mutter schickt aus Amerika nur wenig Geld, den
Kontakt zur Familie im eigenen Land hat Rückkehrer Habilez
verloren, die Zukunft ist unsicher. „Ich bin ein bisschen
verzweifelt, weil es hier keine Arbeit gibt", sagt er. Doch noch
ist Habilez standfest und will sein Leben auf ehrliche Weise in
den Griff kriegen. „Warum sollte ich mich einer Bande
anschließen? Das ist Zeitverschwendung. Ich verschwende nicht
mein Leben, um zu morden zum Beispiel, nur aus einer Laune
heraus, ohne Grund", so seine Überzeugung. Sozialarbeiter, die
Habilez kennen, halten ihn allerdings für extrem gefährdet.
Nun hat die Vicaria Episcopal del Divino Salvador unter
Federführung von
Weihbischof Monsenor Rosa Chavez
eine Initiative ins Leben gerufen, um den Maras - Jugendlichen
zu helfen und ihnen gegebenenfalls den Ausstieg aus dem
Bandenwesen zu ermöglichen. Fünf Pfarreien des historischen j
Zentrums von San Salvador, Sagrado Corazon del Jesus, El
Calvario, El Rosario, La Merced y San Francisco, arbeiten in dem
Projekt zur „integralen Betreuung" der Jugendlichen zusammen.
Das Projekt wurde von ADVENIAT bereits mit einer Starthilfe von
30.000 Mark unterstützt. Ziel ist, ein Anlaufzentrum für die
Jungen und Mädchen zu schaffen, wo sie Zuwendung und
psychologische Begleitung für einen Neuanfang erfahren können.
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Bisher gab es schon Einzelinitiativen in den Pfarreien, die nun
gebündelt wurden. Vor allem kirchlich engagierte Laienhelfer in
den Pfarreien hat sich dieser schwierigen Aufgabe verschrieben,
Zur Zeit werden 20 Jugendliche direkt betreut, um ihnen den
Ausstieg aus einer Mara zu ermöglichen. Einmal wöchentlich
treffen sich die Helfer zum Erfahrungsaustausch mit Schwester
Transito, die das Projekt leitet. „Wichtig ist es für uns erst
einmal, das Vertrauen der jungen Leute zu gewinnen", sagt
Schwester Transito. „Auch wenn sie zunächst nicht aus der Mara
herauswollen. Wir können aber Kontakte aufbauen und so Zugang zu
ihrer Gruppe bekommen." Das geschieht oft durch scheinbar
einfache, unkonventionelle Mittel. Durch gemeinsames Fußball
spielen etwa oder durch eine Einladung an die Jugendlichen, bei
einer christlichen Prozession mitzuwirken. „Sie glauben gar
nicht, wie groß da die Begeisterung ist", so Transito. „Denn in
ihrem tiefsten Inneren sind auch die Jungen und Mädchen aus der
Mara religiös. Und wenn sie an einer Prozession teilnehmen und
zum Beispiel eine Figur tragen, dann werden sie zum ersten Mal
von der Gesellschaft respektiert. Sie fühlen sich nützlich."
Tatsächlich hat die Kirche bei den Jugendlichen in El Salvador
hohes Ansehen. Sie gehört bisher zu den wenigen Institutionen,
die sich überhaupt um die Maras kümmern. Denn trotz groß
angelegter Studien über das Problem: Staatliche Anlaufstellen
und Hilfen für betroffene Jugendliche gibt es bisher kaum.
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Dabei ist der Weg für einen Neuanfang abseits von der Bande
nicht leicht. Er wird erschwert durch Drogenabhängigkeit und die
mögliche Rache ehemaliger Companeros. Dennoch gibt es Beispiele
erfolgreicher Aussteiger. Hendrik ist 20 Jahre alt und seit
knapp zwei Jahren in einem der wenigen Rehabilitationszentren in
El Salvador untergebracht. Tagsüber macht er eine Therapie, in
der Nacht lernt er. „Ich fühle mich gut, weil ich viele Dinge
erreiche. Ich studiere bereits, ich setze mir Ziele, um vorwärts
zu kommen, um ein Oberschüler zu sein", sagt der junge Mann.
Auch sein Freund Daniel Gonzalez hat mit Hilfe der Kirche und
ihrer Initiative die Bande verlassen. Nur ungern erinnert er
sich an frühere Zeiten: „Also wenn ich daran denke, als ich noch
auf der Straße lebte, wie ich da herumgelaufen bin, ausgelaugt,
schwach. Ich habe nichts gemacht. Und heute merke ich, wie ich
körperlich drauf bin. Dass sich mein Körper erholt hat. Ich
fühle mich gut." Noch sind Hendrik und Daniel Gonzalez
Ausnahmen. Andere ehemalige Maras-Anhänger bleiben abgestempelt
und werden weiter diskriminiert, auch wenn sie arbeiten möchten.
Allzu leicht sind sie an ihren Tätowierungen zu erkennen. Doch
mit dem Projekt zur „integralen Betreuung", mit Drogentherapie,
Rehabilitation, Ausbildung und Arbeitsmöglichkeiten hoffen
Weihbischof Rosa Chavez, Schwester Transito und all die anderen
Helfer in den Pfarreien im Stadtzentrum von San Salvador noch
mehr Jugendlichen zu einem neuen, besseren Leben verhelfen zu
können.
Monika Hoegen |
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