HAUPTSCHULE AM STOPPENBERG
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Praktika, Besuche im Berufs-Informations-Zentrum des Arbeitsamtes, regelmäßige Sprechstunden des Berufsberaters in der Schule, Intensiv-Training des Bewerbungsverfahrens, Unterstützung durch die Ausbildungspaten, Berufe per Videokonferenz live im Klassenzimmer, Koordination dieser Maßnahmen und vieler Termine, Begegnungen und Exkursionen durch den Beratungslehrer in der Schule – ist damit nicht genug getan für die Berufsvorbereitung unserer SchülerInnen? Andererseits: Jeder einzelne Schüler, der ohne Ausbildungsvertrag oder ohne die sinnvolle Fortsetzung der schulischen Laufbahn die Schule verlässt, jeder AbschlussschülerIn, die kurz nach Beginn der Ausbildung die „Lehre schmeißt“ werfen die beunruhigende Anfrage an die Schule auf: „Lässt sich das Berufswahlkonzept der Schule nicht doch weiter optimieren?“ Wäre es nicht möglich, SchülerInnen noch früher und noch konkreter von den Anforderungen der Arbeitswelt betroffen zu machen? Könnte man gemeinsam mit ihnen nicht noch hautnäher hinterfragen, was in Ausbildung und Beruf von ihnen erwartet wird? Wäre es nicht denkbar, durch konkrete Projekte Schüler zu intensiverem schulischen Lernen zu motivieren?

Der Essener Konsens eröffnet uns neue Wege: Diese Aktion des Arbeitsamts Essen, der Kreishandwerkerschaft, der IHK der Stadt Essen und anderer Einrichtungen, Unternehmen und Vertreter unserer Stadt hat sich zum Ziel gesetzt, scheinbar brachliegende Ressourcen in Betrieben und Einrichtungen mit öffentliche Notwendigkeiten und Bedürfnisse in Verbindung zu bringen und auf diese Weise beiden Seiten zu helfen. So wurden auf diese Weise bereits Kirchen renoviert, Altenheime gebaut, Behinderten geholfen, Projekte, die ohne den Essener Konsens nie hätten verwirklicht werden können. Gleichzeitig, und hier liegt das Interesse der beteiligten Unternehmen, erhielten Auszubildende die Möglichkeit, Kenntnisse und Fertigkeiten an realen Objekten zu erfahren und zu trainieren.

So war es nicht erstaunlich, dass unsere Schule und die Technikgruppe der Klassen 10 A unter der Leitung von Herrn Pütz auf dieses Angebot, das Herr Mikoteit als Vertreter des Arbeitsamtes Essen der Schule machte, schnell eingingen: Gemeinsam mit Auszubildenden der Firma Bilfinger + Berger auf dem Gelände der Schule „etwas zu errichten“, was dann allen Schülern dient. Idee und Initiativen gingen von der Schule aus, doch bereits in der Planungsphase standen Schülern und Lehrern Profis zur Seite, in besonderer Weise Herr Gemlau, ehemaliger Ausbildungseiter bei HochTief. 

Das Arbeitsamt hat auf einer eigenen Homepageseite dieses Projekt vorgestellt: 
H I E R
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Was aus dieser Idee wurde, ist dem Tagebuch der Klasse 10 A zu entnehmen, zusammengestellt von  Ramona Schneiders und Christian Schulz.


Aus dem Tagebuch der Technikgruppe der 10-er Klassen:

 
21.01.2000:
Unsere Technikgruppe plant ein Projekt:
Aspekte, die dabei berücksichtigt werden sollen:
·      es soll kein „Modellchen“ werden
·      soll für unsere Schule wirklich nützlich sein
·      müsste von langer Lebensdauer sein, etwas richtig Professionelles also

Ergebnis unserer Überlegungen:

Errichtung
·       eines Blockhauses
·       eines Grillplatzes
·       einer Aqualandschaft
·       eines Kaninchenstalles
·       einer „Kapelle“ auf dem Schulgelände

Nach reiflicher Überlegung haben wir uns zunächst für den Bau eines Kaninchenstalles entschieden; dadurch wird dieses Lern- und Freizeitangebot für unsere jüngeren Mitschüler wieder aktiviert.

27.01.2000:
Natürlich können und wollen wir dieses Projekt nicht alleine bewältigen. Wir benötigen Sponsoren und Hilfe von außen. Dazu trafen sich am runden Tisch folgende Personen:

Vertreter des Arbeitsamtes Essen (Herr Mikoteit, Herr Katthagen), Vertreter des Ausbildungszentrums der Bauindustrie (Herr Droßel), Vertreter der Baufirma Bilfinger & Berger (Herr Szepanek) Herr Gemlau und natürlich neben Herrn Pütz und Herrn Düchting zwei Vertreter unserer Technikgruppe (Ramona Schneiders, Christian Schulz). Ergebnis dieses Gesprächs: Wir werden möglichst rasch mit dem Bau der von uns zu planenden und zu entwerfenden Kaninchenställe beginnen.

04.02.2000:
Erkundung der Kaninchenställe des 2. Vorsitzenden des Kaninchenverbandes „Kreisverband Katernberg der Kaninchenzüchter“, Herrn Broer. - Besonderheit: Seine Käfige bestehen aus Betonbatterien, aber wir können unsere Ställe auch in Holz bauen.

11.02.2000:
Entwürfe verschiedener Kaninchenställe. Festlegung der benötigten Materialien und der Bauart. Wahl des besten Entwurfes (von Christian Schulz). Hierbei unterstützte uns Herr Gemlau als Fach- und Kontaktmann zu den Baufirmen.

18.02.2000:
Gruppenaufteilung:
Gruppe I:  Begutachtung der Kaninchenställe von Herrn Schulz (Christians Großvater)
Gruppe II: Berechnung der Längen der Holzteile, Erkundigungen im Bauhaus nach Material und Preisen
Wir fanden heraus, dass die Materialkosten für sechs Boxen circa 1000, -DM betragen werden.

25.02.2000:
Erneute Besprechung mit Vertretern des Arbeitsamtes, des Ausbildungszentrums, der Bauindustrie und der Baufirma Bilfinger & Berger. Es geht um die Frage der Beschaffung von Schotter, Sand und Gehwegplatten als Untergrund und zur Befestigung für die Ställe.

03.03.2000:
Wir prüfen, ob der Werkzeugbestand ausreicht, um die Gründungsarbeit am Kaninchenstall durchzuführen.

14.03.2000:
Wir und die Azubis von Bilfinger & Berger entladen den LKW, der mit Sand und Gehwegplatten beladen ist.


17.03.2000:
Fortführung der Ausschachtarbeiten von 9.00 - 15.30 Uhr.

22.03.2000:
Erneute Ausschachtarbeiten von 14.00 - 15.30 Uhr.
  

24.03.2000:
Von 11.00 - 15.30 Uhr weitere Ausschachtarbeiten und Aufstellen des Baustellenschildes. (Entwurf: Ramona Schneiders)

28.03.2000:
Das letzte Mal: Ausschachtarbeiten

29.03.2000:
Schotteranlieferung für die Weiterführung der Gründungsarbeiten.
Zusammen mit den Azubis aus dem Ausbildungszentrum bringen wir den Schotter in die Stallgründung und verdichten ihn mit der Rüttelmaschine. Thomas Raitzow  „bezwingt“ die Rüttelmaschine, so dass leidere den Geist aufgibt.

 
31.03.2000:
Besuch der Azubis im Ausbildungszentrum für Bauberufe: Hier zeigen uns die Azubis, wie man Straßen pflastert und Gehwegplatten verlegt. In der Holzverarbeitung (Hochbauwerkstatt) haben die Azubis bereits die Stallstützen und -wände gehobelt, gefräst und zum Teil bereits vormontiert.

04.04.2000:
Einbetonieren der Randsteine mit Hilfe der Azubis. Zum erstenmal haben wir Beton selbst hergestellt aus Wasser, Sand und Zement.

06.04.2000:
Wir haben Sand eingebracht für unsere Gehwegplatten und anschließend die Platten verlegt.
Dabei ist wichtig, dass der Abstand der Platten gleich bleibt.

10.04.2000:
Fortführung der restlichen Wegpflasterung. An den Rändern des Gehwegs bringen wir einen Betonstuhl an und anschließend verdichten wir die Fugen zwischen den Gehwegplatten mit Sand.  Jetzt sind alle Vorarbeiten für den Kaninchenstall fertig gestellt. Neben Landschaftsverschönerung werden wir als nächstes den Stall aufstellen, die Türen montierten und das Dach aufbauen.

Die Zusammenarbeit mit dem Ausbildungszentrum und dem Arbeitsamt brachte uns den Vorteil, dass wir uns um die Materialien und Maschinen nicht zu kümmern brauchten. Aus der Zusammenarbeit mit den Azubis und deren Ausbildern haben wir nicht nur am Bauberuf schnuppern können, sondern auch selbstständig wie Profis Tiefbauarbeitstechniken erlernt.

Genau das hat uns am meisten Spaß gemacht!

PS:
Inzwischen bewohnen sechs Kaninchen ihre neue Behausung. Und wie immer es ihnen gelungen ist: Zwölf junge Kaninchen haben sich bereits eingestellt. Dies muss wohl auch an der guten Pflege liegen; denn die „Freizeit-AG-Kaninchen“ unter Leitung von Herrn Rahm sorgt täglich, auch an Wochenenden, Ferien- und Studientagen für die Versorgung der Tiere.

Übrigens: Aus „gut unterrichteten Kreisen“ wurde bekannt, dass dies nicht das letzte Projekt des Essener Konsenses Am Stoppenberg sein wird. Geplant sei „ein größeres Objekt“ aus der Liste der SchülerInnen.
   


Der Rohbau entsteht

 

Die letzten Schrauben ...

Kaninchenpflege in der Freizeit AG