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Auf unsere Schule scheint die 

auch nachts

Aus der Schulzeitung Nr. 47 / Dez. 1998

In der o.g. Ausgabe der HAUPTSCHULE schloss der Bericht über den Bau einer Photovoltaikanlage ("Auf unsere Schule scheint die Sonne auch nachts", S. 15) mit vielen offenen Fragen. Doch schon wenige Monate später, genau seit Oktober '98, liefert diese Anlage vom Dach der Schule aus Sonne gewonnene Energie ins Stromnetz. Wie dies so rasch möglich wurde und was nun daraus wird - dazu ein Interview mit dem Initiator dieser Anlage, Karl Heinz Pütz, dem die SchülerInnen vor allem in den Fächern Technik, Physik und Mathematik begegnen:

 

HAUPTSCHULE: Haben Sie oder hat die Schule im Lotto gewonnen, dass plötzlich die Photovoltaikanlage finanziert und in so kurzer Zeit installiert werden konnte?

 

Herr Pütz: Nein, die Finanzierung war beileibe kein Glücksspiel. Wir haben viele Quellen und Sponsoren gesucht und gefunden, die schließlich mehr als 30.000 DM für die Photovoltaikanlage zusammenbrachten. Neben den Mitteln, die wir nun doch aus öffentlicher Förderung erhalten, hat unsere Schulgemeinde allen Grund, sich bei der Bank im Bistum Essen, der Ruhrgas AG, der Sparkasse Essen, dem Lions‑Club, unserer Fördergemeinschaft und dem Schulträger zu bedanken. Daneben darf aber auch die Eigenleistung der SchülerInnen nicht vergessen werden, denn auch sie ist ein wichtiger Teil des Finanzierungsplans.

HS: Eine solche Anlage zur Energieumwandlung und Stromerzeugung gehört ja in der Regel nicht zum dem Hobby-Bereich von Schülern. Worin konnte denn deren Eigenleistung bestehen?

 

Herr Pütz: Zunächst hat im vergangenen Jahr die Technik-Gruppe der 1 0-A-Klassen die technische und finanzielle Planung bis hin zum Schreiben von Briefen geleistet. Nach deren Entlassung haben die 14 SchülerInnen der Technik-Gruppe 10 dieses Schuljahres die Arbeit fortgesetzt: sämtliche Bauteile wurden unter Anleitung der Firma Soltec über Treppen und Leitern auf das Dach der Schule transportiert,

Trägerelemente mussten zugesägt, Scharniere gebohrt und die 2,4 Solarmodule, 12 mit einem festen Neigungswinkel von 30 Grad, 12 in einem variablen Winkel von 30 - 60 Grad, auf die Trägerelemente montiert werden. Das ist dort oben nicht ganz ungefährlich; wir mussten Sicherheitsbedingungen beachten und konnten zum Teil nur in kleinen Gruppen arbeiten.

 

HS: Die SchülerInnen kommen aus zwei Klassen, und neben Technik gibt es ja auch noch viele andere Fächer, die gerade jetzt für die Berufsvorbereitung von großer Bedeutung sind. Wie haben sie diese praktische Arbeit, die Arbeitszeiten der Firma Soltec und das Fach Technik denn miteinander vereinbart?

 

Herr Pütz: Das war in der Tat - auch aufgrund der wetterabhängigen Arbeiten - nicht immer ganz einfach. Mit den Kollegen der anderen Fächer konnten wir durch Stundenplanumstellungen einige Freitage, an dem das dreistündige Fach Technik liegt, zu ganztägigen Arbeitszeiten für dieses Projekt machen. Dazu kamen dann einzelne Stunden, die spontan erforderlich wurden. Reihum konnten einzelne am Bau der Anlage, an der Installation der Wechselrichter und am Anschluss an die Computeranlage arbeiten. Die übrigen SchülerInnen der Gruppe experimentierten parallel mit einem Modell-Koffer des RWE, an dem die Funktionsweise der Photovoltaikanlage erarbeitet wurde. Gegenseitig haben sich die Gruppen dann über den Fortgang ihrer Arbeit informiert. Praktisches Ergebnis dieser Arbeit: Jeder Schüler hat einen Tischventilator gebaut, der natürlich mit Sonnenenergie arbeitet. Einen Ventilator haben wir übrigens für den Schulleiter gebaut, für den Fall, dass ihm einmal wieder die Schweißperlen wegen der Finanzierung eines Projekts auf der Stirn stehen.

 

HS: Ist das Projekt damit nun abgeschlossen?

 

Herr Pütz: Ganz und gar nicht. Zunächst werden wir im Herbst das eigentliche Anliegen dieses Projekts abschließen. Auf dem Schulparkplatz wird die Technikgruppe in Zusammenarbeit mit der Elektro-Firma Peters drei Laternen installieren, die den Parkplatz und die Hausmeister-Wohnungen zukünftig ausreichend beleuchten. Das bedeutet: schachten, einbetonieren, verdrahten. Die Energie, die wir mit der Photovoltaikanlage erzeugen, wir rechnen mit einer "Stromernte" von ca. 900 kWh pro Jahr, reicht aus, um diese drei Laternen mit Strom zu versorgen. Dieser Strom wird direkt ins Netz eingespeist und senkt auf diese Weise die Stromkosten des Schulträgers.

 

HS: Nur schade, Herr Pütz, dass man von unten nichts von dieser Anlage sieht .

 

Herr Pütz: Wenn man nur noch durch die Laternen auf dem Parkplatz an die Anlage erinnert würde, dann wäre ein wichtiges Ziel dieses Projekts nicht erreicht; denn der eigentliche Gewinn dieses Projekts liegt darin, dass wir für die gesamte Schule auf Dauer für viele Fächer und Themen einen neuen Lernort geschaffen haben und dort bei den SchülerInnen ein Bewusstsein für den verantwortlichen Umgang mit unserer Energie schaffen können. Die Daten der Stromerzeugung werden direkt in das Computernetzwerk der Schule eingespeist. Mit Hilfe von spezieller Software können wir jederzeit die Leistung in Abhängigkeit von Sonneneinstrahlung, Jahreszeit und Neigungswinkel der Module an den Bildschirmen ablesen. In nächster Zeit wird auch in der zentralen Halle ein Bildschirm stehen, der auf Knopfdruck die jeweils aktuelle und insgesamt erzeugte Leistung der Solarmodule anzeigt. So wird es dann auch möglich, im fachgebundenen oder fächerübergreifenden Unterricht Themen wie "Halbleitertechnik, Elektronik, regenerative Energien, Messtechnik" am konkreten Beispiel auf dem Dach der Schule oder im Computerraum oder - wenn wir einen edlen Spender finden - verbunden mit einem Photovoltaik-Koffer zu untersuchen. Im Erdkundeunterricht lassen sich Themen wie "Klimasystem und Treibhauseffekt' erarbeiten; denn die Anlage verhindert immerhin den Ausstoß von 0,5 t Kohlendioxyd pro Jahr. Auch für den Politik- ("Energieversorgung in Staat und Wirtschaft") den Hauswirtschafts- ("Energiesparen im Alltag beim Wohnen, Heizen, Kochen...") und den Religionsunterricht ("Verantwortung für die Schöpfung") kann die Anlage in Zukunft zum Lernort werden und Anregungen zum verantwortlichen und umweltschonenden Umgang mit unserer Energie geben.

 

HS: Herr Pütz, es ist zwar noch einiges zu tun, doch die entscheidenden Schritte an diesem Projekt sind getan. Planen Sie bereits ein neues Projekt ähnlichen Umfangs?

 

Herr Pütz: Wenn dieses Projekt abgeschlossen ist, dann werde ich mich erst einmal in die Hängematte

legen und persönlich neue (Sonnen-) Energie tanken. – Nein, ganz im Ernst habe ich da schon eine Idee, die vielleicht auf Dauer eine weitere Chance für andere Fächer bietet. Aber davon werde ich hier nichts verraten, höchstens dem Schulleiter mache ich schon mal einige Andeutungen.

 

HS: Wir danken Ihnen, Herr Pütz, nicht nur für dieses Gespräch!