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HAUPTSCHULE:
Haben Sie oder hat
die Schule im Lotto gewonnen, dass plötzlich die
Photovoltaikanlage finanziert und in so kurzer Zeit
installiert werden konnte?
Herr Pütz:
Nein, die
Finanzierung war beileibe kein Glücksspiel. Wir haben
viele Quellen und Sponsoren gesucht und gefunden, die
schließlich mehr als 30.000 DM für die
Photovoltaikanlage zusammenbrachten. Neben den Mitteln,
die wir nun doch aus öffentlicher Förderung
erhalten, hat unsere Schulgemeinde allen Grund, sich bei
der Bank im Bistum Essen, der Ruhrgas AG, der
Sparkasse Essen, dem Lions‑Club, unserer
Fördergemeinschaft und dem Schulträger zu
bedanken. Daneben darf aber auch die Eigenleistung der
SchülerInnen nicht vergessen werden, denn auch sie ist
ein wichtiger Teil des Finanzierungsplans. |
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Trägerelemente mussten
zugesägt, Scharniere gebohrt und die 2,4 Solarmodule, 12
mit einem festen Neigungswinkel von 30 Grad, 12 in einem
variablen Winkel von 30 - 60 Grad, auf die
Trägerelemente montiert werden. Das ist dort oben nicht
ganz ungefährlich; wir mussten Sicherheitsbedingungen
beachten und konnten zum Teil nur in kleinen Gruppen
arbeiten.
HS:
Die SchülerInnen kommen aus zwei Klassen, und neben
Technik gibt es ja auch noch viele andere Fächer, die
gerade jetzt für die Berufsvorbereitung von großer
Bedeutung sind. Wie haben sie diese praktische Arbeit,
die Arbeitszeiten der Firma Soltec und das Fach Technik
denn miteinander vereinbart?
Herr Pütz:
Das war in der Tat -
auch aufgrund der wetterabhängigen Arbeiten - nicht
immer ganz einfach. Mit den Kollegen der anderen Fächer
konnten wir durch Stundenplanumstellungen einige
Freitage, an dem das dreistündige Fach Technik liegt, zu
ganztägigen Arbeitszeiten für dieses Projekt machen.
Dazu kamen dann einzelne Stunden, die spontan
erforderlich wurden. Reihum konnten einzelne am Bau der
Anlage, an der Installation der Wechselrichter und am
Anschluss an die Computeranlage arbeiten. Die übrigen
SchülerInnen der Gruppe experimentierten parallel mit
einem Modell-Koffer des RWE, an dem die Funktionsweise
der Photovoltaikanlage erarbeitet wurde. Gegenseitig
haben sich die Gruppen dann über den Fortgang ihrer
Arbeit informiert. Praktisches Ergebnis dieser Arbeit:
Jeder Schüler hat einen Tischventilator gebaut, der
natürlich mit Sonnenenergie arbeitet. Einen Ventilator
haben wir übrigens für den Schulleiter gebaut, für den
Fall, dass ihm einmal wieder die Schweißperlen wegen der
Finanzierung eines Projekts auf der Stirn stehen.
HS: Ist das
Projekt damit nun abgeschlossen?
Herr Pütz:
Ganz und gar nicht.
Zunächst werden wir im Herbst das eigentliche Anliegen
dieses Projekts abschließen. Auf dem Schulparkplatz wird
die Technikgruppe in Zusammenarbeit mit der
Elektro-Firma Peters drei Laternen installieren, die den
Parkplatz und die Hausmeister-Wohnungen zukünftig
ausreichend beleuchten. Das bedeutet: schachten,
einbetonieren, verdrahten. Die Energie, die wir mit der
Photovoltaikanlage erzeugen, wir rechnen mit einer
"Stromernte" von ca. 900 kWh pro Jahr, reicht
aus, um diese drei Laternen mit Strom zu versorgen.
Dieser Strom wird direkt ins Netz eingespeist und senkt
auf diese Weise die Stromkosten des Schulträgers.
HS:
Nur schade, Herr Pütz, dass man von unten nichts von
dieser Anlage sieht .
Herr Pütz:
Wenn man nur noch
durch die Laternen auf dem Parkplatz an die Anlage
erinnert würde, dann wäre ein wichtiges Ziel dieses
Projekts nicht erreicht; denn der eigentliche Gewinn
dieses Projekts liegt darin, dass wir für die gesamte
Schule auf Dauer für viele Fächer und Themen
einen neuen Lernort
geschaffen haben und dort bei den SchülerInnen ein
Bewusstsein für den verantwortlichen Umgang mit unserer
Energie schaffen können. Die Daten der Stromerzeugung
werden direkt in das Computernetzwerk der Schule
eingespeist. Mit Hilfe von spezieller Software können
wir jederzeit die Leistung in Abhängigkeit von
Sonneneinstrahlung, Jahreszeit und Neigungswinkel der
Module an den Bildschirmen ablesen. In nächster Zeit
wird auch in der zentralen Halle ein Bildschirm stehen,
der auf Knopfdruck die jeweils aktuelle und insgesamt
erzeugte Leistung der Solarmodule anzeigt. So wird es
dann auch möglich, im fachgebundenen oder
fächerübergreifenden Unterricht Themen wie
"Halbleitertechnik, Elektronik, regenerative Energien,
Messtechnik" am konkreten Beispiel auf dem Dach der
Schule oder im Computerraum oder - wenn wir einen edlen
Spender finden - verbunden mit einem Photovoltaik-Koffer
zu untersuchen. Im Erdkundeunterricht lassen sich Themen
wie "Klimasystem und Treibhauseffekt' erarbeiten; denn
die Anlage verhindert immerhin den Ausstoß von 0,5 t
Kohlendioxyd pro Jahr. Auch für den Politik-
("Energieversorgung in Staat und Wirtschaft") den
Hauswirtschafts- ("Energiesparen im Alltag beim Wohnen,
Heizen, Kochen...") und den Religionsunterricht
("Verantwortung für die Schöpfung") kann die Anlage in
Zukunft zum Lernort werden und Anregungen zum
verantwortlichen und umweltschonenden Umgang mit unserer
Energie geben.
HS:
Herr Pütz, es ist zwar noch einiges zu tun, doch die
entscheidenden Schritte an diesem Projekt sind getan.
Planen Sie bereits ein neues Projekt ähnlichen Umfangs?
Herr Pütz:
Wenn dieses Projekt
abgeschlossen ist, dann werde ich mich erst einmal in
die Hängematte

legen und persönlich
neue (Sonnen-) Energie tanken. – Nein, ganz im Ernst
habe ich da schon eine Idee, die vielleicht auf Dauer
eine weitere Chance für andere Fächer bietet. Aber davon
werde ich hier nichts verraten, höchstens dem
Schulleiter mache
ich schon mal
einige Andeutungen.
HS:
Wir danken Ihnen, Herr Pütz, nicht nur für dieses
Gespräch! |