HAUPTSCHULE AM STOPPENBERG
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SCHULPROGRAMM

DER

HAUPTSCHULE AM STOPPENBERG

TAGESHEIMSCHULE DES BISTUMS ESSEN

IM

SCHULZENTRUM AM STOPPENBERG

Die Idee

Die Hauptschule im Schulzentrum Am Stoppenberg ist eine Katholische Tagesheimschule in der freien Trägerschaft des Bistums Essen. In der aktiven Partnerschaft von Eltern, Erziehungsberechtigten, Lehrerinnen und Lehrern bilden und erziehen wir die uns anvertrauten Mädchen und Jungen, die hier "im Geiste christlicher Freiheit ihre individuellen Fähigkeiten erkennen und entfalten können" 1) .

Gegenüber den öffentlichen Schulen sind wir gleichwertig, nicht aber gleichartig. Wir führen die Schülerinnen und Schüler zu qualifizierten und staatlich anerkannten Schulabschlüssen und eröffnen ihnen in dieser Schulform der Sekundarstufe I alle Wege, die in der schulischen und beruflichen Bildung unseres Landes möglich sind.

Die Schülerinnen und Schüler sollen sich zu ganzheitlich gebildeten Menschen entwickeln können. Ihre Anlagen, Fähigkeiten und Fertigkeiten sollen entfaltet und die Kräfte des Verstandes, des Gemütes und des Willens herangebildet werden. Zur Eigeninitiative angeregt und durch Formen des praktischen Lernens ermutigt, sollen sie

  1. zur sozialen Verantwortung

  2. zur Berufsreife und

  3. zur Glaubensreife

geführt werden. Die dazu erforderliche Bildungs- und Erziehungsarbeit orientiert sich an der dreifachen Verantwortung des einzelnen Menschen gegenüber Gott, gegenüber der Gemeinschaft und gegenüber sich selbst.

Die folgenden Grundsätze des Schulprogramms sind Ergebnis gemeinsamer Erfahrungen und Absprachen der Schulgemeinde; sie sollen Leitlinie sein, um die genannten Ziele im Alltag zu verwirklichen. Diese vereinbarten Ziele sind konkretisiert in einem eigenen Arbeitsprogramm. Es enthält u.a. die Lehrpläne der einzelnen Fächer, die Richtlinien der Fachkonferenzen zur Leistungsbeurteilung, grundsätzliche Absprachen zur Gestaltung des Alltags und weitere Regelungen.

 

1) Allgemeine Schulordnung für Schulen in der Trägerschaft des Bistums Essen, § 1, 2

 

Ziel: Soziale Verantwortung

Unsere Schülerinnen und Schüler sollen soziales Mitempfinden erfahren. Sie lernen, zwischen Eigen- und Gemeinschaftsinteressen zu unterscheiden. Durch vorgelebtes Beispiel und durch erlebte Gemeinschaft sollen sie fähig und bereit werden, in wachsendem Maße Verantwortung für sich zu übernehmen und diese als Mitverantwortung in Klasse, Schule, Familie, Gesellschaft, Staat und Kirche zu leben. Diese soziale Verantwortung soll sie auch befähigen, schwierigen Lebenssituationen (Krankheit, schulischen und beruflichen Misserfolgen, Arbeitslosigkeit, familiären Problemen u.a.) gerecht zu werden.

Unsere Schule wird bewusst als Tagesheimschule geführt, um den Schülerinnen und Schülern vielfältige Formen sozialen Lernens erfahrbar zu machen. Der Schulalltag dient also nicht der bloßen Wissensvermittlung; er ist vielmehr Raum, in dem Schülerinnen und Schüler, Eltern und Erziehungsberechtigte, Lehrerinnen und Lehrer gemeinsam arbeiten, leben und lernen.

Als Voraussetzungen für die Entwicklung sozialer Verantwortung sind uns folgende Punkte von großer Bedeutung:

  • die persönliche Beziehung zwischen Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern, die besonders in der Bedeutung der Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer erkennbar wird. Mit hohem Stundenanteil bilden sie besonders in den ersten Jahrgängen Klassengemeinschaften, sind Vertrauenslehrer und -lehrerinnen ihrer Schülerinnen und Schüler und erste Ansprechpartner für die Eltern und Erziehungsberechtigten ihrer Klasse.
  • die Integration von Erziehung und Unterricht, die u.a. in der Auswahl der Unterrichtsinhalte, in der Gestaltung des Schullebens und in der persönlichen Begegnung aller Mitglieder der Schulgemeinde zum Ausdruck kommt
  • das Lernen in überschaubaren Lerngruppen; dazu trägt insbesondere die Differenzierung in Kleingruppen in allen handlungsorientierten Fächern bei
  • die Entwicklung und Umsetzung von schülerangemessenen Arbeits- und Sozialformen (z.B. Gruppenarbeit, Freiarbeit, Wochenplanarbeit, Praktika, projektorientierte Unterrichtsformen ...)
  • gemeinsame Lebens- und Lernerfahrungen außerhalb der Schule (Klassenfahrten in den Jahrgängen 5, 7 und 10, Sozial- bzw. Landpraktika im 8. Jahrgang, Betriebspraktika in den Jahrgängen 9 und 10 ...)
  • die Feste und Feiern, die gemeinsam in der Klasse und in der Schule gestaltet werden (z.B. Morgenkreis, Feiern von Geburts- und Namenstagen, gemeinsame Frühstücke, Schulfest, Osterbazar, vorweihnachtlicher Schulgemeindegottesdienst und Jahresabschluss...)
  • das Mittagessen in kleinen Tischgemeinschaften, zu dem auch die Beachtung gepflegter Tischsitten gehört
  • die Gestaltung der Freizeit in Form offener Angebote und fester Kurse, die innerhalb und außerhalb des Hauses durchgeführt werden
  • die Eltern und Erziehungsberechtigten als aktive Mitgestalter des Schulalltags in Unterricht und Freizeit
  • die Schaffung vielfältiger Bereiche, in denen die Schülerinnen und Schüler nach Alter und Entwicklung selbständig Verantwortung für die Gestaltung des Klassen- und Schullebens übernehmen
  • die individuelle und angemessene Lösung von Konflikten, an denen sich Schulpsychologe und Sozialarbeiter unserer Schule unterstützend und beratend beteiligen können.

 

Ziel: Berufsreife

Wir zählen es zu unseren wichtigen Zielen, die jungen Menschen zur Berufsreife zu führen. Dazu gehört eine fundierte Bildung:

Das Lernen der elementaren Kulturtechniken (Lesen, Schreiben und Rechnen) wird durch qualifizierten Unterricht gewährleistet.

Im Fachunterricht erwerben die Schülerinnen und Schüler grundlegende Kenntnisse aus naturwissenschaftlichen, technischen, gesellschaftspolitischen, fremdsprachlichen und musischen Fachbereichen sowie den kompetenten Umgang und die kritische Nutzung der unterschiedlichen Medien und Kommunikationstechniken.

Ein ausgewogenes Förderprogramm stellt begleitend sicher, dass auch lernschwächere Schülerinnen und Schüler ihrer Begabung entsprechende Leistungen erzielen. Zu den Fördermaßnahmen unserer Schule gehören u.a. die Leistungsdifferenzierung in den Fächern Englisch und Mathematik ab Klasse 7, die Kurse für lese- und rechtschreibschwache Schülerinnen und Schüler und der Förderunterricht in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch. Schülerinnen und Schülern, die das Ziel haben, über die Klasse 10 B die Fachoberschulreife zu erwerben, bieten wir im 9. Jahrgang "Liftkurse" in den Fächern Mathematik und Englisch an. Damit werden zugleich Voraussetzungen zum Übergang in die Klasse 11 der gymnasialen Oberstufe geschaffen.

Behinderte Schülerinnen und Schüler erfahren ihrer Behinderung entsprechende Hilfen.

Während sich zu Beginn dieses Jahrhunderts das Wissen der Menschheit alle fünfzig Jahre verdoppelte, dauert dieser Prozess jetzt nur noch fünf Jahre. Niemand, der heute eine Schule verlässt, kann mit dem schulisch erworbenen Wissen die gesamte Zeit seiner Berufstätigkeit bestehen. Wir betrachten es daher als unsere Aufgabe, auf lebenslanges Lernen vorzubereiten und nicht nur Wissen mit kurzer "Halbwertzeit" zu vermitteln. Wir üben verstärkt Lern- und Arbeitstechniken ein, die erforderlich sind, um sich selbständig fortlaufend neues Wissen anzueignen. Dabei werden unterschiedliche Lernformen und -methoden genutzt, welche die Schülerinnen und Schüler schließlich befähigen, verantwortungsbewusst im Team zu arbeiten.

Die gerade für die Hauptschule so wichtigen Verfahren des praktischen Lernens werden neben dem fächerübergreifenden Unterricht auch in Projekten angewandt, die auf Klassen- und Stufenebene durchgeführt werden. Besonderen Ausdruck erhält diese Arbeitsform in Projekten, in denen die gesamte Schule zusammenarbeitet.

Noch immer ist Schule nicht das Leben selbst, sie ist ein pädagogisch gestalteter Raum. Wir bauen auf den Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler auf, öffnen ihnen neue Felder und bereitet sie so auf das Leben und das Zusammenleben vor. Um dieses Lernen so direkt und einprägsam wie möglich zu gestalten, lernen wir möglichst "vor Ort", also außerhalb der Schule in authentischen Lebenssituationen. Dazu dienen neben den Projekten und den Praktika in den Klassen 8, 9 und 10 Begegnungen mit Menschen in Betrieben, aus Vereinen, Verbänden und der Öffentlichkeit. Unterrichtsgänge, Exkursionen, Erkundungen und Einladungen bilden den Rahmen dieser Vorhaben.

Große Bedeutung für die Entwicklung der Berufsreife messen wir dem Prozess der Berufswahlvorbereitung bei. Er beginnt im 8. Schuljahr. Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer arbeiten zu diesem Zweck intensiv mit Eltern und Erziehungberechtigten zusammen. Der Berufsberater des Arbeitsamtes und der Beratungslehrer der Schule koordinieren den Beratungsprozess für die Schülerinnen und Schüler. Diese Beratung soll schließlich durch eine bewusste und angemessene Entscheidung der Mädchen und Jungen für einen konkreten Ausbildungsplatz oder Schulweg abgeschlossen werden. Hilfe und Rat leisten dabei auch verschiedene Unternehmen aus Industrie, Handwerk, Handel und Verwaltung.

 

Ziel: Glaubensreife

Die Hinführung zur Glaubensreife prägt das Schulleben und bestimmt den Unterricht mit. Als Katholische Schule in Freier Trägerschaft erwarten wir von Schülerinnen und Schülern, von Eltern und Erziehungsberechtigten, von Lehrerinnen und Lehrern Offenheit gegenüber den vielfältigen religiösen Angeboten der Schule.

Die Schulgemeinde erwartet zudem, dass alle Eltern, Erziehungsberechtigen, Lehrerinnen und Lehrer die Kinder und Jugendlichen anleiten, in der Verantwortung vor Gott ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und in einer Welt voller Veränderungen verantwortlich zu handeln. Um dieser Zielsetzung gerecht zu werden, bedarf es der Weitergabe christlicher Grundwerte. Besonderes Gewicht legen wir dabei auf die Nächstenliebe, auf die Hilfsbereitschaft und auf den verantwortlichen Umgang mit der Schöpfung.

Religionsunterricht ist ein Eckpfeiler der Schule, an dem alle Schülerinnen und Schüler verpflichtend teilnehmen. Als ebenso verbindlich betrachten wir die Teilnahme am Schulgottesdienst als Ort, an dem Kinder und Jugendliche zur Mitfeier der Eucharistie geführt werden. Diesen Weg der Begegnung mit der eigenen Religion unterstützen das Morgengebet vor dem Unterricht, das Tischgebet vor dem Mittagessen und Formen der Meditation in den einzelnen Klassen.

In einer kleiner werdenden Welt ist es daneben unerlässlich, andere Religionen kennenzulernen und sich mit anderen Kulturen auseinander zusetzen.

Religiöse Gemeinschaftserfahrungen wie altersangemessene (Nacht-) Wallfahrten, Besinnungstage, liturgische Nächte, kontinuierliche Aktionen für Menschen in Not, Solidaritätsläufe u.a. dienen gerade in einer Zeit vielfältigen gesellschaftlichen Wandels dazu, den Schülerinnen und Schülern Hilfen zur eigenen Orientierung und Sinnfindung anzubieten sowie zu Stille und Ruhe anzuleiten. Ergänzt werden diese Angebote z.B. durch die Teilnahme an Katholikentagen oder an Fahrten nach Taizé.

Die Entwicklung der Glaubensreife wird nur in gemeinsamer Verantwortung aller Beteiligten möglich sein. Das erfordert die Übereinstimmung zwischen Lehrerinnen und Lehrern, Erziehungsberechtigten und Eltern, Schülerinnen und Schülern in der Zielsetzung unserer gemeinsamen Arbeit sowie das vertrauensvolle Zusammenwirken untereinander und mit dem Schulträger.

Dabei wissen wir, dass wir in dieser spezifischen Zielsetzung als Freier Katholischen Schule auf die Unterstützung des Schulträgers bauen können.

 

Die Verwirklichung

Um mit diesem Programm zukünftigen Entwicklungen und neuen Herausforderungen angemessen begegnen zu können, werden wir seine Verwirklichung und seine notwendige Veränderung mit Hilfe interner und externer Mittel überprüfen und es angemessen weiterentwickeln.

Dabei bauen wir auch auf die Vernetzung mit anderen Schulen:

Als Mitglied des "Vereins zur Förderung des Praktischen Lernens NRW e.V." und des "Nationalen Netzwerks innovativer Schulen", in Kooperation mit den Schulen in der Trägerschaft des Bistums Essen, mit der Landesarbeitsgemeinschaft Katholischer Schulen NRW, mit der Konferenz der Essener Hauptschulen sowie mit der Realschule und dem Gymnasium im Schulzentrum Am Stoppenberg tauschen wir Erfahrungen aus und entwickeln unserer Schulprogramm fort.

 

Alle am Leben der Schule Beteiligten verpflichten sich, diese Grundsätze zu realisieren.

 

Essen-Stoppenberg, im August 1998

Die Schulkonferenz der

Hauptschule Am Stoppenberg

Tagesheimschule des Bistums Essen